Wasser des Lebens & Abend der Seelen

Zum achten Mal trafen sich Liebhaber des Uisce Beatha in der SinGold Destillerie und diesmal waren auch wir, Jörg und Ralf, die Gründer der Taste Buddys, mit dabei. Was folgte, war mehr als ein Tasting.

VERANSTALTUNG 8. Friends of Balvenie Day / ORT: SinGold Destillerie, Wehringen

Mit BRAND AMBASSADOR – Markus Heinze

Ein Nachmittag, der uns nicht mehr losgelassen hat

Manche Abende legen sich ins Gedächtnis wie ein langer, langsam ausklingender Finish. Der 22. August 2026 war so ein Abend. Jörg und ich fuhren pünktlich auf das Gelände der SinGold Destillerie in Wehringen, noch ehe die ersten Töne des Noel Erner Duos die Luft füllten – neugierig, gespannt und ehrlich gesagt auch ein bisschen aufgeregt. Denn die SinGold Friends of Balvenie Days haben unter Whiskyfreunden einen Ruf, der weit über die Region hinausgeht.

Was uns empfing, war keine steife Degustation, es war ein Ort der Wärme. Gastgeberin Helene und Hans-Jürgen haben die SinGold Destillerie in etwas verwandelt, das man eigentlich gar nicht planen kann: Eine echte Wohlfühlatmosphäre, die gleichzeitig Respekt vor dem Handwerk atmet. Der Raum duftete nach geröstetem Holz und etwas schwer Beschreiblichem – jenem tiefen, süßlichen Hauch, den nur ein Ort ausstrahlt, der dem Destillieren verbunden ist.

An unseren Tischen saßen Menschen, die wir noch nicht kannten – aber nach dieser Nacht nicht mehr missen wollen. Whiskyliebhaber, Neugierige, Handwerker des Genusses. Neue Freunde, wie wir sie uns besser nicht hätten wünschen können.

„Dieser Abend hat uns daran erinnert, warum wir die Taste Buddys gegründet haben: Für genau diese Momente, in denen ein guter Dram eine Brücke zwischen Menschen baut.“

GESCHICHTE & HANDWERK

The Balvenie – eine Destillerie, die ihren Prinzipien treu geblieben ist

1892 gründete William Grant in Dufftown, Banffshire, eine zweite Destillerie – unmittelbar neben seiner bereits existierenden Glenfiddich. Der Name stammte vom benachbarten Balvenie Castle, einer Ruine aus dem 13. Jahrhundert, die noch heute über das Gelände wacht wie ein stiller Zeuge jahrhundertelanger Handwerkskunst.

Was The Balvenie seither auszeichnet, ist eine Kompromisslosigkeit gegenüber industriellen Abkürzungen, die in der modernen Whiskybranche ihresgleichen sucht. Die Destillerie betreibt eines der letzten verbliebenen Floor Maltings in Schottland: Gerste wird auf dem Steinboden der alten Malthäuser von Hand gewendet, um das Keimen zu kontrollieren. Es gibt eine eigene Cooperage, in der Fassbinder die Fässer warten und restaurieren. Eigene Kupferschmiede sorgen für die Instandhaltung der charakteristischen Pot Stills und seit Jahrzehnten wächst auf dem eigenen Land der Destillerie Gerste, die direkt in die Produktion fließt.

Das Herzstück dieser Philosophie war lange der legendäre Malt Master David C. Stewart MBE – über fünf Jahrzehnte lang die sensorische Seele von The Balvenie. Er erfand das Cask Finishing: die Technik, einen bereits gereiften Whisky in den letzten Monaten seiner Reife in einen zweiten Holztyp umzufüllen, um eine zusätzliche Aromenschicht zu entwickeln. Ohne Stewart gäbe es keinen DoubleWood, keine Curious Casks, und kein DCS Compendium – das fünfteilige Meisterwerk, das er als Abschluss seiner Karriere schuf und das uns an diesem Abend als krönender Abschluss begegnen sollte.

Die Whiskys des Abends – von zugänglich bis außerirdisch

Markus Heinze führte uns mit einer Leidenschaft durch die Drams, die man nicht lernen kann – die sitzt entweder in einem, oder sie sitzt nicht. Bei ihm sitzt sie tief. Jede Flasche bekam ihre Geschichte, jeder Schluck seinen Kontext, – was folgt, sind unsere Eindrücke vom Abend.

The Balvenie DCS Compendium – Chapter 5

2001 17 Jahre Single Cask

★★★★★

Das war der Moment des Abends. Das DCS Compendium ist das Vermächtnis von Malt Master David C. Stewart: Fünf Kapitel, jedes einer anderen Facette der Fassbelegung gewidmet. Chapter 5 ist das letzte Kapitel – und es fühlt sich an wie ein langer, nachdenklicher Abschluss eines Lebenswerks. Destilliert 2001, 17 Jahre gereift in einem sorgfältig ausgewählten Einzelfass.

Im Glas leuchtet er tief golden.

Am Gaumen: Bienenwachs und Aprikose, dann eine Tiefe aus gerösteten Nüssen und etwas schwer Fassbarem – Zedern, vielleicht? Trockene Orangen.

Der Abgang dauert ewig. Eine limitierte Rarität, die man einmal im Leben trinkt und nie vergisst. Die elegante Präsentation im Eichenholzrahmen vervollständigt das Erlebnis.

The Balvenie Tun 1509 – Batch No. 3

52,7 % ABV Vatted

★★★★★

Tun 1509 ist nach dem physischen Holzfass benannt, das in Lagerhaus 24 der Destillerie steht – jenem uralten Behälter, in dem verschiedenste Einzelfässer zur Ehe zusammengefunden werden. Batch 3 ist ein Meisterwerk der Blending-Kunst: Komplex ohne überladen zu sein, gleichzeitig nussig, würzig und von einer cremigen Süße durchzogen, die sich durch jeden Schluck zieht – Fassstärke, aber mit Würde.

The Balvenie The Week of Peat

17 JahreGetorft

★★★★☆

Balvenie ist normaler­weise kein Torfwhisky. Aber einmal im Jahr widmet die Destillerie eine ganze Woche der Herstellung von Malz aus stark getorfter Gerste. Nach 17 Jahren hat der Rauch seine Ecken verloren und sich mit der für Balvenie typischen Honigsüße verbunden – das Ergebnis ist ein faszinierender Widerspruch: rauchig und sanft zugleich. Für alle, die dachten, sie mögen keinen Islay-Stil, aber die Substanz von Speyside lieben.

A Collection of Curious Casks – American Bourbon Barrel

Single Cask Non Chill Filtered2005

★★★★☆

Die Curious Casks sind eine Serie, die zeigt, was passiert, wenn man Balvenie’s Herz in ungewöhnliche Gefäße legt. Dieser Bourbon-Barrel-Vertreter ist der zugänglichste der Reihe – Vanille, frische Säge, ein Hauch von Kokosnuss. Direkt und ehrlich, ohne Schnörkel. Wer das erste Mal trifft auf ein Single Cask Balvenie trifft, sollte hier beginnen.

Curious Casks – Montilla Wine Seasoned Cask

12 Jahre Limited Edition

★★★★☆

Montilla-Wein aus Andalusien – weniger bekannt als Sherry, aber mit einer eigenen trockenen Nussigkeit, die den Whisky in überraschende Richtungen treibt. Ein Hauch Manzanilla, Mandeln, getrocknete Feigen. Der DoubleWood-Rahmen trägt das Ganze. Neugierig macht der Name – glücklich macht der Inhalt.

The Balvenie DoubleWood 12 Years

12 Jahre40 % ABV Whisky Oak + Sherry Oak

★★★★☆

Der klassische Einstieg ins Balvenie-Universum – und nach diesem Abend mit neuen Augen betrachtet. Erst reift er in amerikanischen Eichenfässern, dann findet er seinen Abschluss in europäischen Sherryfässern. Das Ergebnis ist das Sicherste, was man einem Whisky-Neuling einschenken kann: Honig, Vanille, getrocknete Früchte, seidiger Abgang. Ein Klassiker aus gutem Grund.

Exklusiv: Die Fassproben von William Grant & Sons

Besonders spannend waren zwei 1-Liter-Flaschen, die Markus Heinze aus seinem Repertoire hervorholte – mit dem klaren Vermerk „NOT FOR RESALE“: Rohe Fassproben, ausschließlich für Veranstaltungen dieser Art vorgesehen.

2013 Balvenie Wine Cask · 66,4 % ABV
Tief kupferfarben im Glas – das erste Zeichen der intensiven Weinfasseinwirkung. Bei 66,4 % ist Wasser kein Verrat, sondern Notwendigkeit. Mit ein paar Tropfen öffnet sich der Dram zu einer Komposition aus dunklen Beeren, schwarzem Tee, würziger Eichenrinde und einem Abgang, der einem schlicht den Mund verschließt. Roh, ungezähmt, aufregend.

Balvenie 2009 – Refill American Cask · 50,7 % ABV
Ein „Refill“-Fass hat bereits einen Whisky getragen – der Holzeinfluss ist deutlich dezenter. Hier spricht The Balvenie für sich selbst, in seiner reinsten Form: hellgolden, floral, mit frischem Grünholz und einer hellen Süße wie Limettenblütensirup. Wer verstehen will, was Balvenie’s New Make mitbringt, trinkt diesen.

Die Whisky Pilger und das Fass in elf Minuten

An unseren Tischen saßen Menschen, die wir noch nicht kannten – aber die sich innerhalb weniger Drams als Seelenverwandte entpuppten. Und dann waren da noch die Whisky Pilger.

So nennen sie sich selbst – eine Gruppe passionierter Whisky-Enthusiasten, die nicht nur verkosten, sondern auch tief in das Handwerk eintauchen, das hinter jedem Schluck steckt.

Ihr Beweisstück: Ein zerlegtes Eichenfass, das auf dem Boden lag wie ein Puzzle aus einer anderen Zeit.

In elf Minuten hatten die Whisky Pilger das Fass aus seinen einzelnen Dauben, Reifen und Böden wieder zu einem vollständigen, dichten Behälter zusammengebaut. Jeder Handgriff saß. Kein Holzstück, das zögerte.

Whisky ist nicht nur Flüssigkeit. – Whisky ist Handwerk, das von Menschen lebt, die es mit Leidenschaft betreiben.

„Elf Minuten, ein Fass – und der Beweis, dass Leidenschaft keine Beschreibung braucht, sondern nur Zuschauer.“

Ein Menü, das den Whiskys auf Augenhöhe begegnet

Küchenchef Dominik Connerth hat für diesen Abend ein Menü entwickelt, das keine Showküche sein wollte – sondern ein Gespräch zwischen Teller und Glas und dieses Gespräch verlief auf einem bemerkenswert hohen Niveau.

DAS MENÜ DES ABENDS

Amuse-Bouche Gefüllte Champignons mit Chorizo, Manchego & Paprikaöl – oder vegetarisch: Kürbis-Cappuccino mit Salbeischaum & gebratenem Champignon

Fischgang Geräucherter Saibling auf Topinambur-Creme, Dill-Schaum & grünem Apfel

Hauptgang Entenbrust mit schwarzer Sesamkruste, Pastinaken-Püree, Rotkohl-Espuma & Preiselbeer-Glasur

Dessert In Portwein pochierte Birne mit Blauschimmelkäse-Mousse & kandierten Walnüssen

Besonders der geräucherte Saibling hat uns sprachlos zurückgelassen – in Kombination mit dem Week of Peat war das eine dieser seltenen Paarungen, bei denen Essen und Whisky gemeinsam etwas leisten, was keiner von beiden alleine schafft. Die Entenbrust war handwerklich makellos, die Preiselbeer-Glasur zog exakt die richtigen Fäden zum Sherry-Charakter des Tun 1509. Und das Dessert? In Portwein pochierte Birne mit Blauschimmelkäse – kühn gedacht, meisterhaft umgesetzt.

119 Euro für diesen Abend: Tasting, fünf Gänge, Livemusik, Messermacher-Vorführung, Fassbau-Spektakel und Gesellschaft, die man nicht kaufen kann. Das ist kein Ticketpreis, das ist ein Geschenk.

Messermacher, Musik und mehr

Andreas Schmitt – Messermacher mit einer Ruhe, die man nur hat, wenn man wirklich etwas beherrscht – gab Einblicke in sein Handwerk, die nicht weniger faszinierend waren als die Whiskys selbst. Stahl, der unter der Hand zur Klinge wird, Griffe, die Jahrzehnte halten sollen, ein Schliff, der den Unterschied macht zwischen Instrument und Gerät.

Eine weitere Erinnerung an diesem Abend: Echtes Handwerk erkennt man an der Geduld, mit der man davon erzählt.

Das Noel Erner Duo spielte Soul, Funk und Akustik-Pop mit einer Leichtigkeit, die den Abend nicht dominierte, sondern trug. Musik als Raumklang – genau richtig dosiert. Man konnte noch reden, zuhören, lachen und zwischendrin einfach kurz die Augen schließen und in den Moment sinken.

Danke, Helene & Hans-Jürgen

Hinter jedem gelungenen Abend stehen Menschen, die Energie investieren, lange bevor der erste Gast ankommt. Helene und Hans-Jürgen haben mit dem Friends of Balvenie Day etwas aufgebaut, das man nicht in Eventplänen findet: Eine echte Gemeinschaft rund um Whisky, Handwerk und Gastfreundschaft.

Zum achten Mal – und man spürt keine Routine, keine Erschöpfung, keinen Verwaltungsreflex. Nur Freude daran, dass Menschen zusammenkommen und etwas Besonderes erleben. Das ist selten, – das ist wertvoll, – das verdient mehr als einen Applaus am Ende des Abends.

Jörg und ich werden zurückkommen.- Mit Freude, mit Dankbarkeit und nächstes Mal wahrscheinlich mit mehr Personen der Taste Buddys im Schlepptau.

Slàinte mhath – RALF & JÖRG · TASTE BUDDYS · AUGUST 2026

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