Lost Distillery, zehn Samples und das KĂŒstenabendessen
Nicht jeder Moment eines guten Trips lĂ€sst sich einem einzigen Thema zuordnen. Manche Erlebnisse stehen einfach fĂŒr sich â und verdienen trotzdem erzĂ€hlt zu werden.



Coleburn: Wenn ein Warehouse eine Bibliothek ist
Wer noch nie in einem schottischen Fassager stand, versteht vielleicht nicht ganz, warum Whisky-Enthusiasten davon schwÀrmen. Wer drin war, braucht keine weitere ErklÀrung.
Im Warehouse der stillgelegten Coleburn Distillery stehen die FĂ€sser von ACEO, der Fasskollektion von Arcanum Spirits. Bennrinnes, Teaninich, Auchroisk, Highland Park â Destillate mit Charakter, in verschiedenen Stadien ihrer Reife. Die Luft ist kĂŒhl und holzig, der Geruch ein Gemisch aus Alkoholdampf und jahrzehntelanger Geduld.
Hier zu stehen und die FĂ€sser zu beurteilen â das ist kein romantischer Moment. Das ist Arbeit. Den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, wann ein Fass seine Geschichte zu Ende erzĂ€hlt hat, ist eine Kunst. Ein Fass zu besitzen und zu wissen, wann es seinen besten Moment erreicht hat, sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.
Dallas Dhu: Eine Destillerie, die nicht mehr produziert â und trotzdem lebt


Forres, 1983. Das letzte Mal, dass die Destillerie Dallas Dhu aktiv war. Seitdem ist sie Denkmal â von Historic Environment Scotland betreut als eine der wenigen vollstĂ€ndig erhaltenen Whisky-Brennereien Schottlands, eingefroren in ihrer Zeit.
Kein aufgesetztes Marketing. Keine Tourismusfassade. Nur eine Destillerie, die aufgehört hat zu destillieren â und durch ihre verbliebenen FĂ€sser weiterlebt.
Dean, Head of Whisky Creations bei Murray McDavid, hat uns dort empfangen. Mit jemandem Whisky zu verkosten, der seinen Beruf darin findet, FĂ€sser zu beurteilen und Whisky zu erschaffen, ist bereits etwas Besonderes. Dass wir gemeinsam mit ihm eine persönliche AbfĂŒllung durchfĂŒhren durften, ist ein Privileg, das sich schwer einordnen lĂ€sst.
Der Whisky: Dallas Dhu, destilliert im April 1970. AbgefĂŒllt November 2007. 37 Jahre in einem Refill Hogshead. 109 Flaschen insgesamt.
Was im Glas landete, war kein moderner Whisky. Es war ein Destillat aus einer anderen Zeit â mit der Tiefe, der Stille und der KomplexitĂ€t, die nur sehr alte Whiskys tragen können. Getrocknete Feigen, Bienenwachs, altes Leder in der Nase. Am Gaumen karamellisierte NĂŒsse, dunkle Schokolade, eine elegante Tanninstruktur. Im Abgang: lang, trocken, ein letzter harziger Tabakton. Unvergesslich.
Einen solchen Whisky an dem Ort zu verkosten, an dem seine Geschichte ihren Ursprung hat â das ist etwas völlig anderes, als einfach eine seltene Flasche irgendwo zu öffnen.
Findhorn: Der Abend, der nicht nach Whisky schmeckte
Nach Warehouses, Bottling Halls und jahrzehntealtem Destillat braucht man manchmal einen anderen Horizont.



Den fanden wir in Findhorn.
Die KĂŒste des Moray Firth am Abend, das Wasser im letzten Tageslicht, gutes Essen, zwei Freunde, Schottland. Kein Programm. Keine Fachsimpelei. Einfach ein Geburtstag an der KĂŒste â mit der SelbstverstĂ€ndlichkeit, die nur echte Freundschaft kennt.
Manchmal ist genau das das Richtige.
Zehn Samples und eine ehrliche Erkenntnis
Der spĂ€te Abend gehörte der Arbeit: zehn Samples potenzieller FĂ€sser fĂŒr neue Arcanum-AbfĂŒllungen. Kein Genusstasting, sondern konzentrierte Beurteilung. Name, Alter, vermeintliche ExklusivitĂ€t â alles zweitrangig. Am Ende entscheidet der Gaumen.



Die interessanteste Erkenntnis des Abends war eine negative:
Alte Whiskys in Koval-FĂ€ssern lagen uns nicht.
Zu dominant, zu fremd, zu wenig im Einklang mit dem schottischen Ausgangscharakter. Alter allein ist kein QualitĂ€tsmerkmal. Ein Fass, das jahrzehntelang reift und am Ende nicht im Einklang mit dem Destillat ist, bleibt ein MissverhĂ€ltnis â egal wie beeindruckend die Zahlen klingen.
Genau fĂŒr solche Erkenntnisse macht man diese Tastings. Nicht um sich von Zahlen beeindrucken zu lassen. Sondern um Whisky zu trinken.
Arcanum wird seine SchlĂŒsse daraus ziehen. Genau dafĂŒr sind Taste Buddys da.
Blair Athol: Der richtige Schlusspunkt
Der letzte Tag fĂŒhrte uns nach Pitlochry, zu Blair Athol â eine der schönsten Destillerien Schottlands. Historische GebĂ€ude, PagodendĂ€cher, das charakteristische Wasser, das ĂŒber die Anlage flieĂt, sanfte HĂŒgel ringsum. Ein Ort, der selbst dann sehenswert wĂ€re, wenn hier kein Whisky destilliert wĂŒrde.
Ein passender Schlusspunkt fĂŒr einen Trip, der lĂ€ngst mehr war als eine Reise.
SlĂ inte mhath.


