🇩🇪 September 26 Schottland ein Traumtrip

Lost Distillery, zehn Samples und das KĂĽstenabendessen

Nicht jeder Moment eines guten Trips lässt sich einem einzigen Thema zuordnen. Manche Erlebnisse stehen einfach für sich – und verdienen trotzdem erzählt zu werden.

Coleburn: Wenn ein Warehouse eine Bibliothek ist

Wer noch nie in einem schottischen Fassager stand, versteht vielleicht nicht ganz, warum Whisky-Enthusiasten davon schwärmen. Wer drin war, braucht keine weitere Erklärung.

Im Warehouse der stillgelegten Coleburn Distillery stehen die Fässer von ACEO, der Fasskollektion von Arcanum Spirits. Bennrinnes, Teaninich, Auchroisk, Highland Park – Destillate mit Charakter, in verschiedenen Stadien ihrer Reife. Die Luft ist kühl und holzig, der Geruch ein Gemisch aus Alkoholdampf und jahrzehntelanger Geduld.

Hier zu stehen und die Fässer zu beurteilen – das ist kein romantischer Moment. Das ist Arbeit. Den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, wann ein Fass seine Geschichte zu Ende erzählt hat, ist eine Kunst. Ein Fass zu besitzen und zu wissen, wann es seinen besten Moment erreicht hat, sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.

Dallas Dhu: Eine Destillerie, die nicht mehr produziert – und trotzdem lebt

Forres, 1983. Das letzte Mal, dass die Destillerie Dallas Dhu aktiv war. Seitdem ist sie Denkmal – von Historic Environment Scotland betreut als eine der wenigen vollständig erhaltenen Whisky-Brennereien Schottlands, eingefroren in ihrer Zeit.

Kein aufgesetztes Marketing. Keine Tourismusfassade. Nur eine Destillerie, die aufgehört hat zu destillieren – und durch ihre verbliebenen Fässer weiterlebt.

Dean, Head of Whisky Creations bei Murray McDavid, hat uns dort empfangen. Mit jemandem Whisky zu verkosten, der seinen Beruf darin findet, Fässer zu beurteilen und Whisky zu erschaffen, ist bereits etwas Besonderes. Dass wir gemeinsam mit ihm eine persönliche Abfüllung durchführen durften, ist ein Privileg, das sich schwer einordnen lässt.

Der Whisky: Dallas Dhu, destilliert im April 1970. AbgefĂĽllt November 2007. 37 Jahre in einem Refill Hogshead. 109 Flaschen insgesamt.

Was im Glas landete, war kein moderner Whisky. Es war ein Destillat aus einer anderen Zeit – mit der Tiefe, der Stille und der Komplexität, die nur sehr alte Whiskys tragen können. Getrocknete Feigen, Bienenwachs, altes Leder in der Nase. Am Gaumen karamellisierte Nüsse, dunkle Schokolade, eine elegante Tanninstruktur. Im Abgang: lang, trocken, ein letzter harziger Tabakton. Unvergesslich.

Einen solchen Whisky an dem Ort zu verkosten, an dem seine Geschichte ihren Ursprung hat – das ist etwas völlig anderes, als einfach eine seltene Flasche irgendwo zu öffnen.

Findhorn: Der Abend, der nicht nach Whisky schmeckte

Nach Warehouses, Bottling Halls und jahrzehntealtem Destillat braucht man manchmal einen anderen Horizont.

Den fanden wir in Findhorn.

Die Küste des Moray Firth am Abend, das Wasser im letzten Tageslicht, gutes Essen, zwei Freunde, Schottland. Kein Programm. Keine Fachsimpelei. Einfach ein Geburtstag an der Küste – mit der Selbstverständlichkeit, die nur echte Freundschaft kennt.

Manchmal ist genau das das Richtige.

Zehn Samples und eine ehrliche Erkenntnis

Der späte Abend gehörte der Arbeit: zehn Samples potenzieller Fässer für neue Arcanum-Abfüllungen. Kein Genusstasting, sondern konzentrierte Beurteilung. Name, Alter, vermeintliche Exklusivität – alles zweitrangig. Am Ende entscheidet der Gaumen.

Die interessanteste Erkenntnis des Abends war eine negative:

Alte Whiskys in Koval-Fässern lagen uns nicht.

Zu dominant, zu fremd, zu wenig im Einklang mit dem schottischen Ausgangscharakter. Alter allein ist kein Qualitätsmerkmal. Ein Fass, das jahrzehntelang reift und am Ende nicht im Einklang mit dem Destillat ist, bleibt ein Missverhältnis – egal wie beeindruckend die Zahlen klingen.

Genau fĂĽr solche Erkenntnisse macht man diese Tastings. Nicht um sich von Zahlen beeindrucken zu lassen. Sondern um Whisky zu trinken.

Arcanum wird seine SchlĂĽsse daraus ziehen. Genau dafĂĽr sind Taste Buddys da.

Blair Athol: Der richtige Schlusspunkt

Der letzte Tag führte uns nach Pitlochry, zu Blair Athol – eine der schönsten Destillerien Schottlands. Historische Gebäude, Pagodendächer, das charakteristische Wasser, das über die Anlage fließt, sanfte Hügel ringsum. Ein Ort, der selbst dann sehenswert wäre, wenn hier kein Whisky destilliert würde.

Ein passender Schlusspunkt für einen Trip, der längst mehr war als eine Reise.

SlĂ inte mhath.

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